Im Jahr 2021 begann der damals 5-jährige Joseph, gemeinsam mit seiner Mutter und einer Freundin, später auch mit den Besuchern des Familienhauses, große Gemeinschaftszeichnungen anzufertigen. Da er taub ist und Sprachstörungen hat, wurde das Zeichnen für ihn zu einem Kommunikationsmittel. Zwischen 2021 und 2025 schuf er so etwa dreißig dieser „großen Zeichnungen“ gemeinsam mit zahlreichen Menschen. Nachdem Joseph 2022 nach Namur gezogen war, um die zweisprachigen Klassen „Gebärdensprache/Französisch“ der Schule Sainte-Marie zu besuchen, setzte er diese Praxis weniger regelmäßig fort. Seine Mutter passte das Prinzip dieser Gemeinschaftszeichnungen jedoch für Workshops an, die sie gemeinsam mit der gemeinnützigen Organisation Adeppi (Atelier d’Éducation Permanente pour Personnes Incarcérées) im Gefängnis von Namur durchführte.
Der Ablauf bleibt derselbe: Zunächst zeichnet eine Person mit einem schwarzen Filzstift eine einfache Figur, meist eine menschliche oder tierische Silhouette. Die Teilnehmer gestalten die Zeichnung anschließend frei nach ihren Emotionen und fügen dabei keine gegenständlichen Elemente hinzu. Ziel ist es, Spontaneität zu fördern – ohne Nachdenken oder Beurteilen –, indem man der Hand freien Lauf lässt. Nur die erste Zeichnung erfordert ein Mindestmaß an Absicht; das Ausmalen erfolgt intuitiv mit Hilfe verschiedener zur Verfügung gestellter Werkzeuge.
Die Ausstellung, die im vergangenen März im Rahmen von „Chambres avec Vues“ in der Halle al’chair präsentiert wurde, vereint einige großformatige Zeichnungen von Joseph und seinem Umfeld sowie solche, die zwischen 2023 und 2026 von Inhaftierten im Gefängnis von Namur nach denselben Prinzipien entstanden sind.
Galerie du Beffroi, Rue du Beffroi, Namur, Belgique